Maskentheater

 

 

 

 

 

 

 

 

Masken sind kulturhistorische Zeugnisse. Sie zählen zu den frühesten rituellen und theatralischen Darstellungsformen. Ihre Ausdruckskraft und Vielfalt spiegeln die Weltauffassungen vieler Kulturen und künstlerisch-ästhetische Sichtweisen. Symbolisches Theater mit Masken – Bau, Spiel und Performance – verbindet bildende und darstellende Kunst, archaische Tradition und zeitgenössischen Ausdruck. Seine ursprüngliche Stärke liegt in der Verknüpfung individueller und kollektiver Mythen, die in den Maskengestalten lebendig werden.

Dem Menschen dient die Maske seit Urzeiten zur Formgebung ihm fremder rätselhafter oder übernatürlicher Kräfte. Als faszinierendes Medium für Übergänge kommt in ihr Verborgenes, Vergessenes oder Nichtbeachtetes zum Vorschein. Indem wir eine Maske bauen, sie beseelen über dramatische Darstellung und Tanz, können wir die Grenzen unserer alltäglichen Identität erweitern. Innere Bilder, Phantasien, Gefühle und Sehnsüchte werden von uns in das machtvolle Objekt übertragen. Wir können das gewohnte Eigene verlassen und den Weg zum unbekannten Anderen gehen. Die Schwelle vom Einen zum Anderen ist eine Grenze, an der Verwandlung möglich wird. Als Grenzgängerin symbolisiert die Maske den ständigen Wandel vom Leben zum Tod zur Wiedergeburt. Als äußeres Zeichen einer inneren Wahrheit ist sie Spiegel der Seele, Gesicht hinter dem Gesicht.

Es gibt viele Arten, Masken zu bauen. Das Modellieren mit erdigem, weichem Ton, der grundlegendes Material für das Gesicht ist, entspricht ihrer Seele. Aus Papier und Kleister, an die Grundform geschmiegt, entsteht eine angenehm zu tragende leichte Maskenhaut. Sehlöcher und Helm machen die Maske bespielbar. Ihre Emotion wird durch die Farbgebung ausgedrückt.

Nach der Maskenbildung lassen wir ihr Wesen durch Rituale lebendig werden. Wir entwickeln ihre symbolische Sprache – Körperhaltung, Gestik und Handlungsweise -, und bringen sie in eine glaubwürdige Gestalt. Übungen zum Körpergewahrsein, zur Achtsamkeit und Meditation sowie zur Authentizität, Präsenz und Koexistenz vertiefen unsere Einsicht in ihren eigenständigen Charakter. Improvisation sowie ritualisierte und verfremdende Spielformen bereiten auf das Theater und die Performance mit Maske vor. Dabei ist Theater Spiel, ein Spiel mit dem Augenblick, ein stetiger Durchgang von einer Wirklichkeit in die andere. Es ist Lebensäußerung, Erprobungsfeld für den “ganzen” Menschen und Abbild all seiner Beziehungen – zu sich selbst, den anderen und der Welt.

Die Maske wirkt auf uns ganzheitlich und integrativ. Im Spiel, in Bewegung und Tanz werden Körper, Gefühle und Denken eins. Unter ihrem Schutz können unsere Körper erwachen, sich von Hemmungen befreien und beweglicher werden. Gleichzeitig weckt die körperliche Aktivität auch eine innerliche. Aufsteigende unangenehme Gefühle können wir mit Hilfe der Maske “zivilisiert” äußern. Die “Entleerung” schafft Platz für frische Gefühle und erneuert uns. Unser Denken darf sich entspannen und die Rolle des Beobachters einnehmen. Der Blick auf die Welt durch die Maskenöffnungen kann uns eine beruhigende Distanz zum Eigenen schenken und unseren Horizont erweitern. Indem wir dem Maskenwesen unseren Körper leihen, betreten wir seine imaginäre Welt und bekommen Zugang zu seiner vitalen Kraft.

Es entstehen wertvolle Freiräume zum Experimentieren, da Vergangenheit und Zukunft im schöpferischen Prozeß Teil der Gegenwart sind. Verborgene Talente können gefunden, ausgekostet und verinnerlicht werden. In der Schatzkiste, die im Gestaltungsraum auf uns wartet, strahlen Selbstbewußtsein und Selbstwertgefühl als funkelnde Diamanten. Ihr Glanz kann ungeahnt weit in unseren Alltag reichen.

Bildquelle: Sabine König, Amina Ch. Karge, Christoph Martyna

 

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